Irrwurzen, gefunden im Teufelsofen bei Guntershausen

[Pegasus Projekt: Pegasi Gamma – Algenib]

Sagenhafte Wurzel, die im gesamten Alpenraum vorkommt, meist an verwunschenen Orten (dunkle Wälder, nebelige Moore, moosige Wiesen, unzugängliche Schluchten). Sie wächst in der Regel versteckt unter der Erde. Man glaubt, dass sie von Waldgeistern ausgelegt werden, um sich mit den Vorübergehenden einen Scherz zu erlauben. Auch Waldhexen werden für die Existenz der Irrwurzen verantwortlich gemacht. Sie hätten die Wurzeln verzaubert, damit sich arglose Wanderer im Wald und in der Magie verfangen. Bekannt ist, dass Bauern, Waldgänger, Wurzelgraber oder Dienstboten besonders gefährdet sind.

Tritt man auf eine Irrwurzen, so geht man im Kreise herum, ohne den richtigen Weg finden zu können. Dagegen helfen kann man sich nur, wenn man ein Kleidungsstück (Kappe, Hut, Kittel) verkehrt herum trägt. Dann ist der Bann wirkungslos. Oft führt der Irrweg zu einem verwunschen Ort, wo man magischen Erlebnissen ausgesetzt ist: der Realitätssinn löst sich auf, die Sinne verwirren sich, die Vernunft setzt aus. Man betritt dann die Anderswelt mit all ihren Gefährdungen, begegnet Riesen, Hexen, magischen Dingen oder dem Tod. Manche Menschen finden erst nach langer Zeit den richtigen Weg oder aber finden nie mehr nach Hause zurück und verschwinden für immer. Oft kündigt die Begegnung mit der Irrwurzen auch den nahen Tod an. Wer auf eine Irrwurz getreten ist, der kommt möglicherweise nicht mehr gesund zu den Seinen zurück. Auch ein naher Angehöriger kann nach einer Begegnung eines Verwandten mit der Irrwurzen sterben.

Der Mensch ist der Macht der Irrwurzen hilflos ausgeliefert, nur der christliche Glauben hält in seltenen Fällen ein Gegenmittel gegen sie bereit. So beendet etwa Glockengeläute die durch die Wurzen ausgelöste Desorientiertheit und Verwirrung. Ebenso erfahren Kirchen den Schutz durch Irrwurzen, indem sie Plünderer und Brandschatzer in die Irre führen.

Doch nicht nur Unheil bringen die Irrwurzen über die Menschen, sie können es auch gut mit ihnen meinen, indem sie Übelgesinnte in die Irre führen oder dem Gutgesinnten zu Reichtum verhelfen.

So ist etwa aus Oberösterreich folgende Begebenheit bekannt:

Auf dem Berge bei Haslach gab es früher Irrwurzen, wer darauf trat, verirrte sich. Ein Haslacher Handelsmann ging einst nachmittags dem Berge zu, trat auf eine Irrwurzel und fand nimmer heim, bei Einbruch der Nacht kam er zu einer Holzknechthütte auf einer Blöße. Er legte sich hier nieder, wurde aber durch einen grellen Lichtschein gestört. Auf der Wiese sah er eine ganze Gesellschaft bei einem reichen Mahl. Als es zu Ende war, begann der Tanz. Viele bekannte Gesichter kamen an ihm vorbei und in einer Tänzerin erkannte er seine Frau. Bei der zweiten Runde stürzte er auf sie los und schrie: „Jesus, Maria und Josef!“ Im selben Augenblick war es finster, der Mann fühlte einen Schlag im Gesicht und wurde ohnmächtig.
Als er am Morgen noch nicht daheim war, zogen die Leute aus, ihn zu suchen und fanden ihn. Er hatte Striemen wie Brandmale im Gesicht. Ein Fetzen Stoff, den er in der Hand hielt, paßte daheim in einen Riß im Kleide seiner Frau. Sie gestand ihm reuig ihre Hexenfahrt, sagte aber, daß sie von einigen Freundinnen dazu verleitet worden war.

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