# Street Cred, eigentlich: Street Credibility 
Slangwort, Glaubwürdigkeit einer Person in ihrer Bezugsgruppe. Bedeutet, dass man/frau Outfit, Interessen, Verhalten und Kultur mit seiner Peergroup teilt und deshalb von dieser akzeptiert und geschätzt wird. Ursprünglich unter jugendlichen Stadtbewohnern der Rap - oder Hip Hop - Szene in sozialen Brennpunkten ("poor neighbourhood") verwendet.   

Nachdem Bundesministerin Gewessler den Bau des Lobautunnels endgültig gestoppt hat, fragt der Umweltjournalist des Falter, Benedikt Narodoslawsky, der vor kurzem ein Buch über Fridays for Future veröffentlicht hat, auf Twitter: „Hat Gewessler nun eigentlich street credibility?“ Seine Follower antworten ausweichend, wissen wohl mit dieser Frage wenig anzufangen. Ich musste das Wort auch erst nachschlagen. Der ORF berichtet jedenfalls, dass die jugendlichen Aktivistinnen im Camp Lobau mit alkoholfreiem (sic!) Sekt der Ministerin bei der Verkündigung des Baustops vor den Fernsehern zugeprostet hätten. Also besitzt sie unter den Fridays for Future offenbar Akzeptanz: ein klares und unzweideutiges #nobau. Unter den FFFs hätte sie wohl mit ihrer Entscheidung ein klares Heimspiel, meint der Kommentator sarkastisch. Aber gerappt hat die Ministerin deshalb wohl nicht.

Hey everybody take a look at me,
I’ve got street credibility,
I may not have a job,
But I have a good time,
With the boys that I meet „down on the line“

Wham! Rap ’86

Erhebt sich also die Frage, wer die massgebliche Gruppierung auf der Strasse ist. Die Covidioten? Die Rechtsextremen? Die Fashionistas? Die Klimabewegung? Oder doch die Anhängerinnen des Wiener Bürgermeisters, liebevoll von den Seinen Beton-Michi genannt? Und weiters erhebt sich die Frage, ob die Ministerin nur Politik für ihre Klientel macht, wie gemeinhin von Teilen ihrer Gegner unterstellt wird oder doch für eine vernünftige und verantwortungsbewusste Umweltpolitik steht?

Andrerseits: welcher Politiker bzw. welche Politikerin der österreichischen Bundesregierung hätte derzeit schon # street cred? Muss sie sich wegen abhanden gekommener Akzeptanz nicht gerade wieder einmal in grossem Stil umbilden?